28. Mai 2026

Vom Pilot zur Produktion: Warum Pharma immer noch im Versuchs-Modus steckt und was den Unterschied macht

Autor*in: Volkan Jacobsen, Managing Partner

Das „Missing Middle“ zwischen strategischer Vision und operativer Realität war das bestimmende Thema des NEXT Pharma Summits 2026 in Dubrovnik. Unsere Eindrücke aus zwei Tagen – was die Branche bewegt, wo die ehrlichsten Debatten stattfanden und was das für digitale Plattformen in Pharma bedeutet.

Podiumsdiskussion auf dem Next Pharma Summit in Dubrovnik

Medizinisches Wissen verdoppelt sich alle 73 Tage. Die Infrastruktur hält nicht Schritt.

1950 verdoppelte sich medizinisches Wissen alle 50 Jahre. 1980 alle 7 Jahre. 2020 alle 73 Tage. Im KI-Zeitalter wird die Kurve weiter steiler. Das ist der Kontext, in dem Life-Sciences-Organisationen heute digitale Entscheidungen treffen müssen: unter Zeitdruck, mit wachsender Datenmenge, in regulierten Umgebungen, die keine Fehler verzeihen.

Und genau dieser Kontext machte eine Frage so dringend, die auf dem NEXT Pharma Summit in Dubrovnik das Publikum polarisierte – und am Ende doch einen klaren Sieger hatte.

Build, Buy oder Partner? Das Publikum hat abgestimmt.

Bauen, kaufen oder partnerschaftlich lösen? In einer Live-Abstimmung votierte das Publikum überwältigend für Partnerschaft – nicht als Abkürzung. Als bewusste Strategie.

Die Logik dahinter ist nachvollziehbar: Die eigene Orchestrierungsschicht, die eigenen Daten und die eigene User Experience sollten in der Hand der Organisation bleiben. Alles andere – Geschwindigkeit, Skalierung, Spezialisierung kann durch Partner eingebracht werden. Souveränität und Agilität schließen sich damit nicht aus. Sie erfordern nur eine klare Grenzziehung.

„Own your orchestration layer, your data, your user experience – but leverage partners to accelerate.“ Das war der Konsens in Dubrovnik und er beschreibt ziemlich genau, wo die nächste Generation digitaler Pharma-Infrastruktur entsteht.

Das Missing Middle: Der Engpass liegt nicht am Willen

Was wir als Takeaway vom diesjährigen NEXT Pharma Summit mitgebracht haben, deckt sich mit dem, was wir aus Gesprächen mit Life-Sciences-Teams regelmäßig hören: Der Engpass liegt selten am fehlenden Willen zur digitalen Transformation. Die Infrastruktur ist das Problem.

Jennifer Cleall von Ferring Pharmaceuticals brachte dafür den Begriff Missing Middle ins Spiel: die Lücke zwischen strategischer Vision und operativer Realität. Ihre Diagnose: Transformation scheitert selten an der Technologie, sondern an der Übersetzung von globaler Strategie in lokale Ausführung. Piloten, die nicht skalieren. Plattformen, die nicht zusammenwachsen. Teams, die parallel in verschiedenen Digitalisierungs-Stadien arbeiten, weil die technische Basis die Richtung nicht trägt.

In der Session „From Pilot to Production: Scaling Agentic Workflows in Pharma“ machte Stefan Miljković denselben Punkt aus technischer Sicht: Agentic Workflows funktionieren in kontrollierten Umgebungen, doch der Sprung aus dem Pilot-Stadium gelingt selten. Entscheidend sei nicht das KI-Modell, sondern die Orchestrierungsschicht darunter, also das System, das die Workflows überhaupt steuert. Die eigentliche Hürde liegt damit fast immer unter der Oberfläche der KI-Frage, in der Plattformarchitektur.

Die Infrastrukturfrage: Was Skalierung wirklich ermöglicht

Agentic Workflows werden nicht als Feature auf bestehende Systeme aufgeschraubt. Sie sind ein Stresstest für die Infrastruktur darunter. Wer sie skalieren will, braucht saubere Datenstrukturen, definierte Governance und eine Plattformarchitektur, die Erweiterungen strukturell erlaubt, statt sie als Ausnahmeprojekte zu behandeln.

Das ist der Punkt, an dem Partnerschaft strategisch wird. Nicht jede Organisation kann, oder sollte, jede Schicht dieser Infrastruktur selbst aufbauen. Was sie besitzen müssen: die Entscheidungshoheit darüber, wie diese Schichten zusammenspielen. Was sie von Partnern beziehen können: die Geschwindigkeit, mit der sie aufgebaut werden.

Genau deshalb haben wir eine Partnerschaft mit Langdock aufgebaut — DSGVO-konform, EU-gehostet, modell-agnostisch. Eine Lösung, die die fehlende Schicht zwischen KI-Potenzial und tatsächlicher Anwendung im Arbeitsalltag schließt, ohne die eigene Datensouveränität aufzugeben.

Die fehlende Schicht ist selten die KI selbst. Sie ist die Infrastruktur, die KI in echte Prozesse übersetzt.

Volkan Jacobsen, Managing Partner Factorial

Wie Factorial dabei helfen kann

Wir bauen seit Jahren digitale Plattformen für Life-Sciences-Organisationen – von der Content-Infrastruktur bis zur Integration komplexer Systeme. Was uns auf dem Summit bestätigt hat: Die Fragen, die Unternehmen in Dubrovnik gestellt haben, sind dieselben, die wir aus unseren Projekten kennen. Wie strukturiere ich meine Daten so, dass KI-Anwendungen darauf aufbauen können? Wie baue ich eine Plattform, die skaliert, ohne die eigene Kontrolle aufzugeben? Wo ist der richtige Einstiegspunkt?

Was wir vom Summit aus Dubrovnik mitnehmen

Der NEXT Pharma Summit 2026 war keine Konferenz für große Ankündigungen. Er war ein Jahrgang für ehrliche Diagnosen. Eine Branche, die gelernt hat, ihre eigenen Piloten kritisch zu bewerten. Die offen ausspricht, dass 95 Prozent der KI-Projekte scheitern – und fragt, warum. Die in der Build/Buy/Partner-Debatte nicht mehr theoretisch diskutiert, sondern praktisch entscheidet. Die Technologie ist verfügbar. Die Bereitschaft wächst. Was jetzt zählt, ist die Infrastrukturentscheidung – wer sie trifft, wann, und mit welchen Partnern.

Wenn Sie erkennen, dass das Missing Middle auch in Ihrer Organisation existiert: Wir sprechen gerne darüber, was der erste konkrete Schritt aussehen könnte.

 

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