09. Juli 2026
TelefonSeelsorge Deutschland im Heise Interview: Vertrauen lässt sich nicht outsourcen
Im aktuellen Heise-Interview erklären Lydia Seifert, Geschäftsführerin der TelefonSeelsorge Deutschland, und Volkan Jacobsen, Managing Partner von Factorial, warum die Organisation mit ihrem System DAISIE erneut für Open-Source statt für proprietäre Systeme eines US-Anbieters entschieden hat.

Datenschutz als Ausgangspunkt
Die TelefonSeelsorge hat in 2025 mit der Einführung von ihrem neuen System DAISIE die Grundlage geschaffen, um verschiedene alltägliche Betriebsprozesse in einer digitalen Plattform zu bündeln. Factorial hatte als Partner dieses Open-Source-basierte System gemeinsam mit der TelefonSeelsorge konzipiert und bereitgestellt.
Konkreter Anlass für die Neuentwicklung war, dass das bisherige System auf Drupal 7 an sein Lebensende gekommen war: keine Sicherheitsupdates mehr, keine Weiterentwicklung. Doch die Entscheidung für Open Source stand für die TelefonSeelsorge unabhängig davon fest.
Der Grund liegt tiefer als reine Kostenfrage. Die TelefonSeelsorge verspricht jedem, der anruft, größtmögliche Anonymität. Daraus folgt: Kontrolle über die eigenen Daten und die eigene Infrastruktur, möglichst wenige gespeicherte personenbezogene Informationen, und eine saubere Trennung zwischen Organisationsdaten und den eigentlichen Beratungsgesprächen. Wer anruft, soll sicher sein können, dass dieses Gespräch nirgends zurückverfolgbar ist. Eine Abhängigkeit von einem einzelnen ausländischen Cloud-Anbieter lässt sich mit diesem Anspruch nur schwer vereinbaren.
Digitale Souveränität in der Praxis
Was diese Entscheidung in der Praxis bedeutet, zeigt sich am Aufbau der Plattform selbst. 104 eigenständige Dienststellen, 8.000 Ehrenamtliche, ein Betrieb rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr – das ist keine Struktur, die sich einem Standardsystem einfach überstülpen lässt. Ein Rollen- und Rechtekonzept musste lokale Autonomie und zentrale Steuerung gleichzeitig abbilden: Ehrenamtliche sehen ihre Dienststelle, Koordinator:innen arbeiten übergreifend, der Bundesverband erhält einheitliche Statistiken.
Die Plattform läuft auf eigener Infrastruktur, Dateiverwaltung über Nextcloud, Chat über eine integrierte Mattermost-Instanz – durchgängig selbst kontrolliert, nicht bei einem externen Anbieter gemietet. Und weil ein System, das auf ehrenamtliches Engagement angewiesen ist, niemanden ausschließen darf, war Barrierefreiheit von Anfang an Teil der Architektur, nicht nachträgliche Optimierung: Die Plattform erreicht nach WCAG AA einen Lighthouse-Accessibility-Score von 100.
Open Source und Sicherheit
Open Source und Nutzerfreundlichkeit schließen sich dabei nicht aus. Die komplette Oberfläche der TelefonSeelsorge wurde eigens entwickelt und ist genauso modern wie jede kommerzielle Software. Auch beim Thema Sicherheit sieht Jacobsen Open Source im Vorteil: Bei proprietärer Software bleibt nur der Glaube an die Sicherheitsversprechen des Herstellers, der Quellcode selbst lässt sich nicht prüfen. Bei Open Source kann dagegen jeder nachvollziehen, wie das System tatsächlich funktioniert – und mögliche Sicherheitslücken finden.
Digital souverän: Was andere Organisationen daraus lernen können
Für andere Organisationen, die mit sensiblen Daten arbeiten, steckt darin die eigentliche Lehre. Digitale Souveränität ist keine Frage der Tagespolitik einzelner Anbieter. Sie ist eine Architekturentscheidung, die man trifft, bevor man sie braucht.
Factorial hat die Plattform, die aus dieser Entscheidung entstanden ist, technisch umgesetzt: DAISIE, heute im Einsatz bei allen 104 Dienststellen der TelefonSeelsorge. Wie die Migration im laufenden 24/7-Betrieb gelang, wie eine umfassende Business-Analyse den eigentlichen Scope erst sichtbar machte – zwei Plattformen teilten sich unbemerkt eine gemeinsame Datenbank –, und was das für Anforderungen, Priorisierung und Projektsetup bedeutete, haben wir in zwei Case Studies dokumentiert: zur Discovery-Phase und zur Plattform selbst.
Strategische Beratung für digitale Okösysteme
Die Frage, welche Technologien langfristig tragfähig sind und wie sich digitale Souveränität konkret umsetzen lässt, stellt sich längst nicht mehr nur Organisationen mit besonders sensiblen Daten. Wenn Sie diese Fragen für Ihre eigene Infrastruktur strategisch durchdenken wollen, sprechen Sie mit uns – wir beraten Sie dazu, wie zukunftsfähige, souveräne Systeme für Ihre Organisation aussehen können.
Wie viel Kontrolle über die eigene Infrastruktur ist Ihrer Organisation eigentlich wert?
Das vollständige Interview mit Lydia Seifert und Volkan Jacobsen lesen Sie bei Heise: „Wir wollten nicht einfach Microsoft ersetzen“
Sie koordinieren eine dezentrale Organisation?
Wir zeigen Ihnen in einem Discovery Workshop, wie unsere Software-Lösungen Ihre Struktur digital abbilden können – ohne sie zu verbiegen.


